“Du musst doch auch mal an dich denken.“
— René, Selbsthilfegruppe für Angehörige von Krebserkrankten
Als meine Partnerin 2023 an Lungenkrebs erkrankte, veränderte sich unser Leben von Grund auf. Von einem Tag auf den anderen bestimmten Sorgen, Untersuchungen, Behandlungen und die ständige innere Anspannung unseren Alltag. Als Angehöriger versucht man, zu funktionieren, Halt zu geben und stark zu bleiben. Doch oft merkt man erst sehr spät, wie sehr man selbst an die eigenen Grenzen kommt.
Ein Moment hat sich mir besonders eingeprägt: Nach der Nebennieren-OP, bei der Metastasen ihres Lungenkrebses entfernt wurden, sagte meine Partnerin zu mir: „Du musst doch auch mal an dich denken.“ Das war der Moment, in dem mir klar wurde, dass nicht nur sie Unterstützung braucht, sondern auch ich. Noch am selben Tag begann ich, nach einer Gruppe für Angehörige zu suchen.
Für mich war das ein entscheidender Schritt. In einer Selbsthilfegruppe muss man nicht alles erklären. Dort begegnet man Menschen, die ähnliche Ängste, Sorgen und Belastungen kennen. Man merkt, dass man mit seinen Gedanken, seiner Erschöpfung und seiner Hilflosigkeit nicht allein ist. Allein dieses Verstandenwerden kann schon sehr viel tragen.
Besonders wertvoll ist für mich die gegenseitige Stärkung. Wenn Menschen offen miteinander sprechen, Erfahrungen teilen und sich ehrlich begegnen, entsteht etwas, das im belastenden Alltag schnell verloren geht: innere Ruhe, Halt und neue Kraft. Die gegenseitige Stärkung macht einen gelassener. Sie hilft, schwierige Situationen besser auszuhalten, klarer zu denken und den eigenen Weg nicht aus dem Blick zu verlieren.
Selbsthilfe verändert die Krankheit nicht. Aber sie verändert, wie man mit ihr leben kann. Sie kann Angehörigen einen Raum geben, in dem sie nicht nur tragen, sondern auch selbst getragen werden. Genau das macht mir Mut.